April / Mai: Viel Psychologie und keine Lust…

…  auf einen Tagebuch-Eintrag

Ein kleines bisschen Frust kommt auch noch dazu. In diesen Wochen, in denen mich verschiedene Themen rund um Python, Tiny Houses, Psychologie und vieles mehr umtreiben, wird mir wieder mal klar, warum wir mega-dringend ein Bedingungsloses Grundeinkommen brauchen, warum ICH dringend eins brauche.

Wie kurzsichtig und engstirnig ist es, das Leben als kontinuierlichen Strom von Erwerbstätigkeit zu sehen? Erst 20 oder gar 30 Jahre lang theoretisch alles mögliche an Wissen in sich hineinfressen, um dieses Wissen dann in den darauffolgenden 50 oder 60 Jahren in einer Erwerbsarbeit zum Besten zu geben? Irgendwie klingt das für mich nach Wasserfall-Entwicklung. Das hat nichts Agiles, nichts von Dazulernen, nichts Inspirierendes. Da war selbst die Steinzeithöhle inspirierender.
Mag ja sein, dass es Menschen gibt, bei denen es gut ist, wenn alles immer dem gleichen Rhythmus folgt. Ich aber merke, dass ich Phasen des Lernens, Aufsaugens, des Neuorientierens und Umherblickens brauche. Danach kommen dann auch wieder sehr produktive Phasen. Aber das eine geht nicht ohne das andere. Aber es kann doch nicht sein, dass man solche Phasen nur denen zugesteht, die es aus welchen Gründen auch immer geschafft haben, sich ein paar Milliönchen auf die Seite zu legen?!
Oder wie ich es neulich in einem Artikel gelesen habe: wie bitte soll denn der Flüchtling oder die Präkariats-Supermarktkassiererin beweisen, dass eigentlich ein Mechatroniker, ein Arzt oder ein Programmierer in ihnen stecken, wenn die Gesellschaft ihnen im Zweifel gar nicht die Chance dafür gibt, das herauszufinden?
 
Und das im 21. Jahrhundert, wo viele der Dinge, die ich in diesen 20 oder 30 Jahren Ausbildung gelernt habe, längst schon weit über ihre Halbwertszeit sind. Ich merke es an meiner Psychologie und wenn ich mir Technologien wie Javascript anschaue, dann sowieso.
 
Auf jeden Fall bin ich gerade in einer Phase, in der einerseits viel an mir zerrt. Die Ämter behindern, das Handy gibt seinen Geist auf und die Kundschaft will nun auch für meinen Geschmack etwas zu langsam nach vorne schreiten.
 
Andererseits ist es eine Phase, die sehr inspirierend ist. Mein Geist versucht gerade die Jungsche Typologie mit der modernen Psychologie in Einklang zu bringen und bedient sich dabei nicht zuletzt Konstrukten aus Systemtheorie und Chaosforschung. Abgefahren 🙂
 
Gleichzeitig versuche ich ein „Epiphany“, wie es auf Englisch so wunderschön heißt, zu verkraften und hoffe, dabei nicht all zu sehr dem Forer-Effekt zu erliegen.
 
Auf jeden Fall kann es gut sein, dass ich demnächst meinen Modul-Katalog erweitere. Mir ist aus unverhoffter Richtung ein Instrument über den Weg gelaufen, mit dem ich vielleicht gerade den Introvertierten, Missverstandenen und „Chaotischen“ in den Entwicklungsteams dabei helfen kann, ihren Weg in einer Welt zu finden, die sich hauptsächlich an den Extrovertierten und Strukturierten ausrichtet.
 
Gleichzeitig bin ich froh, dass inzwischen auch mein Büchlein Gestalt annimmt sowie die Idee, es (etwas unkonventionell) selbst zu vermarkten. Ich genieße die zweite Lektoratsrunde, wo man die ersten sieben Tage der Schöpfung schon hinter sich hat, die Dinosaurier mit Herzschmerz aussterben lassen kann und sich an manchen Stellen eine kambrische Explosion anbahnt. 🙂
 
Nu isses doch ein (etwas unstrukturierterer) Tagebucheintrag geworden. Egal. 🙂
 
PS: Tipp an alle Tonio Krögers und Steppenwölfe, die ihr Leben lang das Gefühl haben, irgendwie gern mehr dabei sein zu wollen, sich aber doch immer ein Stück weit „außerhalb“ zu fühlen: Schaut mal unter #INFJ

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