Auch das Bauchgefühl ist eigentlich ein "Kopfgefühl"; from Public Library of Science journal, Creative Commons Attribution 2.5 Generic

Bauchgefühl im Juni

Agile und das Bauchgefühl

Einer der wichtigen Grundsätze der agilen Software-Entwicklung ist, dass man erst dann eine neue Idee, ein neues System gut weiterentwickeln kann, wenn man „ein Bauchgefühl dafür bekommen hat“. Das trifft natürlich auch auf die Kundschaft zu und die meisten Artikel zum Thema findet man genau in diesem Kontext. Mag sein, dass der Kunde betont professionell mit dem riesigen Anforderungsheft daherkommt und einem „So genau soll das System sein!“ Allein, man darf sich nicht wundern, wenn am Ende von viel Geld Sätze fallen wie: „Also wenn ich ganz ehrlich bin: so hab ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.“

Ein Bauchgefühl ist wichtig. Häufige Releases,  kleiner Inkremente, fail early ganz im Sinne Karl Poppers (an den schwierigen Stellen anfangen, um das Konzept gegebenenfalls zu „falsifizieren“), den nicht geleisteten Aufwand maximieren, bei diesen Stichworten geht es oft genau um dieses Bauchgefühl. Der schnell zusammengeschusterte Prototyp. vielleicht sogar aus Papier oder als Click-Dummy, wird zeigen, wie es sich anfühlt und ob das jemand nutzen würde oder ob es so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben.

Dabei kann das Bauchgefühl eine überaus rationale Angelegenheit sein. Durch verschiedene Praxiserfahrungen hat man insbesondere riskante Aspekte des Vorhabens aus verschiedenen Perspektiven gedreht und gewendet, bis die Intuition sich mehr oder minder deutlich zu Wort meldet: geht oder geht nicht. Bis zur verbalen Begründung kann es da noch ein weiter Weg sein. Der Kopf hat aus tausenden Eindrücken eine binäre Entscheidung kreiert: fühlt sich gut an oder eben nicht.

Mit Bezug auf Unternehmensgründungen gilt sicherlich Ähnliches. Man kann sich viel vorstellen. Erst im Erproben und Ausprobieren allerdings ergibt sich das Bauchgefühl.

Business-Kunden – läuft!

Die Bilanz bezüglich der Business-Kunden ist erfreulich. Läuft! Viele Module sind inzwischen erfolgreich erprobt und leicht modifiziert. Einige warten auf ihre Erprobung und wieder andere haben noch den Status einer ungefähren Idee. Haut hin. Die Abläufe klappen und die Verwaltung, die Dokumentation und die Rechnungsstellung.
Hier steht jetzt der nächste Schritt an, mit der Kundenbasis noch mehr in die Vollen zu gehen und dafür die Webseite und schließlich Xing, sowie LinkedIn auf Vordermann zu bringen.

Gemeinnützigkeit – Änderungsbedarf!

In diesem Bereich muss ich den größten Umbau vornehmen. Es wird nicht funktionieren, zuerst verschiedenen gemeinnützigen Gruppen zu helfen und dann die Bemühungen in einem technischen Verein zusammenzuführen:

Mit der klassischen Charity-Industrie werde ich nicht glücklich. Bei kleineren Gruppen und Vereinen dagegen laufe ich zu schnell Gefahr, mal hier und mal dort zu helfen und mich im Zweifel immer als Fremdkörper, als beratender Dritter zu sehen. Es geht eben nicht, die kleinen, gemeinnützigen Projekte wie „freundschaftliche“ Business-Kunden zu behandeln. Zumal es eben auch Business-Kunden sind, denen man keine Rechnung stellen kann.

Dazu kommt, dass ich in Sachen Gemeinnützigkeit merke, wie gerne ich die Übel bei ihrer Wurzel bekämpfe. Wurzel heißt für mich dabei, tatsächlich die Lebensweise an einigen Punkten in Frage zu stellen und nach Alternativen zu suchen – nicht im Sinne von „aussteigen“, sondern im Sinne von „anders einsteigen“.

 

Tiny House Movement

Das Tiny House Movement, wie es z.B. gerade in Berlin am Bauhaus Campus aktiv ist, tut in Teilen genau das. Klar gibt es auch jene, die einfach nur ne Möglichkeit suchen, ein schmuckes Refugium auf Rädern neben dem Karpfenteich abzustellen. Diese Gruppe ist eher uninteressant. Interessant dagegen ist der nicht kleine Anteil derer, deren Zukunftsplanung sich vielleicht ungefähr so definieren lässt:
„Ich möchte möglichst günstig, umweltverträglich, aber auch komfortabel und in schönem Design leben, aber auf kleiner Fläche, maximal 10qm. Dazu möchte ich meine Behausung im Zweifel auch irgendwo anders hintransportieren können. Ich möchte viele der Vorzüge genießen, die Wissenschaft, Handwerkskunst und Technik ermöglichen.

Vieles will ich mir nicht nur für mich anschaffen, deshalb leben wir in einer Art Dorf 2.0 zusammen und finden Wege, Infrastruktur für alle nutzbar zu machen, z.B. durch ein Werkzeug-Tiny House und ein Bade-/Sauna-Tiny House oder ein Küchen-Tiny House. Dabei sind wir mitten in der Stadt auf einer Brachfläche, die wir in enger Abstimmung mit den politischen Verantwortlichen samt Nutzungskonzept und Brandvorschriften in Schuss halten. Unser Tiny Village bietet Veranstaltungen und ein Café. Es arbeitet mit Unis und Firmen zusammen, die z.B. neue Technologien bei uns erproben.

Ein paar Tiny Houses haben wir zusammen mit Flüchtlingen gebaut, von denen einige ganz selbstverständlich mit uns wohnen. Ein weiteres Tiny House haben wir mit einem ehemaligen Obdachlosen errichtet. Zusammen mit ihm haben wir auch ein Sanitär-Tiny House gebaut, in dem Obdachlose mit Unterstützung eines Sozialarbeiters sich rasieren, sich duschen, frische Kleidung anlegen, Wäsche waschen oder kleinere Wunden behandeln können. Dass wir an IT-Infrastruktur ebenso bauen wie an Häusern und gemeinnützigen wie kommerziellen Projekten ist selbstredend.“

Aktuelle „gemeinnützige“ Aktivitäten

  • Entsprechend feile ich gerade zusammen mit Ecotoiletten, die eine umweltfreundliche Alternative zu den ekeligen Plastik-Klos anbieten,  an einem bewohnbaren Sanitär-TinyHouse und beschäftige mich dazu mit Blender.
  • Ich baue für das TinyHouse-Movement an einer Web-Arbeitsplattform und beschäftige mich zu diesem Zweck weiter mit Django.
  • Dazu unterstütze ich das Circles-Projekt und beschäftige mich in diesem Kontext mit Ionic und Angular2.
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