Screenshot des Blogs "POUYA - keine Abschiebungen nach Afghanistan!" mit neuem Design

Introvertiert im März

Der erste gemeinnützig aktive „Kunde“

Juchu, der erste „Go Live“, nämlich der Template-Wechsel bei „POUYA – keine Abschiebungen nach Afghanistan!“ ist geschafft.

Wer hätte gedacht, dass ich mich auch mal als Webdesigner austoben kann, zumal unter einer Menge von Randbedingungen und den sehr limitierten Einflussmöglichkeiten auf der Google-Blogspot-Plattform.

Fazit für allmännITta

  • Tivial und dennoch nie zu vergessen:
    Mag sein, dass das technik-verwöhnte Auge Bilder als ungeeignet empfindet, stark limitierteSEO-Möglichkeiten als Hemmnis wahrnimmt und technische Limitationen als kaum auszuhalten empfindet: die dort teils beträchtliche Vorarbeit will anerkannt sein und im Zweifel wiegen die begeisterte Nutzung des Werkzeugs schwerer als ein perfektes technisches System.
    Zudem: Konkrete Verbesserungsvorschläge sind besser als Herumnörgeln, selbst wenn man dann schon mit einem Bein in der Arbeit steht.
  • Eine weitere Binsenweisheit: Es wird immer so sein, dass der Umsetzende das große Ganze sieht und stolz auf das ist, was er geschafft hat. Der Abnehmer wird immer vor allem die Kleinigkeiten sehen, die anders oder nicht mehr da sind. Und selbst wenn man sich noch so viel Mühe gibt. Es wird immer ein paar von diesen Kleinigkeiten geben. Das ist normal. Und da gilt es nicht, sich beleidigt zurückzuziehen, sondern das gilt es ernstzunehmen.
  • An den sozialen Medien und an Gruppen, die sich dort spontan organisieren, führt kein Weg vorbei.
    Von solchen Gruppen geht beträchtliche Breitenwirkung aus, sei es was das Streuen von Informationen oder das Mobilisieren für Unterschriften-Aktionen, sowie die Ansprache von Politikern und anderen öffentlichen Akteuren betrifft.
    Der Trend dürfte sich künftig noch eher verstärken, zumal wenn gemeinnützige Themen nur bedingt lokalen, sondern eher nationalen Bezug haben. Es wäre realitätsfern, würde man solchen Gruppen begegnen mit einem „Kommt in fünf Jahren wieder wenn ihr einen als gemeinnützig anerkannten Verein gegründet habt und über ein Budget verfügt!“

Vielen Dank jedenfalls an die tolle Truppe von Ahmad Pouya ist willkommen!

Wie kann allmännITta gemeinnützigen Gruppen in den Sozialen Medien unter die Arme greifen?

  • Wie im vorliegenden Fall durch Beratung und Mithilfe beim Blog und bei SEO.
  • Mit Hostern (Ubernauten, notfalls 1und1) sprechen, inwiefern man den Gruppen ein Hosting ermöglichen könnte. Vielleicht ist ja unter Akzeptanz bestimmter Rahmenbedingungen „Sponsoring durch Sachleistungen“ denkbar.
  • Mit digitaler Infrastruktur den Gruppen Mittel an die Hand geben, um Strukturen zu konsolidieren und ein digitales Backoffice aufzubauen, Stück für Stück und nach Bedarf.
  • Durch Tools wie Adhocracy. Damit können Gruppen z. B. Positions- und Recherche-Papiere interaktiv erstellen und darüber abstimmen. Darüber wäre es auch möglich, z.B. Vereine zu gründen, selbst wenn die Zusammentreffen in 99% der Fälle rein virtueller Natur sind.

Gibt es Risiken?

Das Risiko ist vor allem, zu viel Zeit in konkrete Mitarbeit zu investieren und darüber zu vergessen, was man eigentlich wollte:

  • nur beraten, statt Gewerke zu schaffen, die andere ggf. nicht verstehen und nicht weiterpflegen können
  • nach Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Vermutlich gibt es pfiffige Lösungen, die gleichzeitig auch der Gruppierung helfen
  • soweit möglich in technisch vielversprechende Freie Software-Projekte zu investieren statt mit Google-Blogs Zeit „nicht ganz so sinnvoll“ zu verwenden.

Die Masterarbeit von Jennifer O. Grimes: introvertiert?

Seit gut 60 Jahren hält die psychologische Forschung nicht zuletzt im Kontext des sich bewährenden BigFive-Konzeptes daran fest, dass das Gegenteil von „introvertiert“ wohl „extravertiert“ sein muss. Gleichzeitig fragen sich viele, wie es denn sein kann, dass sie in sich gleichermaßen Kriterien für das eine und für das andere erfüllt sehen.

In diesem Kontext ist es eine Errungenschaft, dass Jennifer O. Grimes das alte Konzept ein Stück weit in Frage stellt und zu fragt, ob nicht „introvertiert“ doch eher auf einer unipolaren Skala als Durchgangsstation in Richtung Asperger und Autismus zu verstehen sein könnte.

Die Studie zeigt an verschiedenen faktorenanalytischen Ergebnissen, dass introvertiert sein einerseits und autistische Züge zeigen andererseits unterschiedliche Ausprägungsstärken auf den gleichen Befragungsdimensionen sind.

Je interessanter desto unverständlich?

So interessant das Thema ist, so heftig fällt aber ein anderer Umstand ins Gewicht. Ich bin wirklich ein beharrlicher Leser Aber Grimes Art zu schreiben wirkt auf mich leider wenig gegliedert, die Sparsamkeit im Umgang mit schematischen Veranschaulichungen und Tabellen so spärlich und das Herumwerfen mit Namen und Item-Labels so ausufernd, dass es einem schummrig wird.

Da bin ich für die Zusammenfassung auf Psychology Today sehr dankbar.

So ist es genau diese Studie, die in mir wieder die Lust geweckt hat, meine eigene Diplomarbeit zur Strukturierung und Visualisierung von Wissen rauszukramen und über eine Fortsetzung nachzudenken.

Introvertiert und trotzdem agil?

Aber so sehr ich der Studie in Sachen Lesbarkeit grolle, so wichtig erscheint sie mir hinsichtlich nerdiger Software-Entwickler. Ich vermute, es könnte nicht ganz zufällig sein, dass ich immer wieder unglücklichen Entwicklern über den Weg laufe, die sich fragen, warum das mit der Zusammenarbeit und der Kommunikation nie so richtig klappt. „Ich bin doch nur ein bisschen introvertiert!?“

Im Moment gehe ich der Hypothese nach, dass das Verhalten in vielen Fällen weit über „introvertiert“ hinausgeht und in vielen Fällen eher die Ausmaße erreicht, die die Jennifer O. Grimes vermutet. Zum Glück ist Aspies e.V in Berlin ansässig.

Auf jeden Fall werde ich diesen Komplex weiter verfolgen müssen, weil vielleicht eine wichtige Frage zukünftig lautet: wie ermögliche ich es, sehr introvertierten Menschen an einem agilen Teamprozess teilzunehmen, der eben nicht darauf zugeschnitten ist, sich in einer Ecke zu vergraben und möglichst wenig zu kommunizieren.

Adrenalin

Es ist toll, eine Woche lang im Verborgenen völlig introvertiert in die Vorbereitung zu investieren und dann kondensiert während drei Stunden Workshop erst Fragezeichen und dann Lächeln auf Gesichter zu zaubern. Proaktiv versuche ich, mögliche Probleme aufzugreifen und aus den Beiträgen der Gesprächsteilnehmer einen tragbaren Lösungsentwurf zu zimmern. Flow. Ich hoffe, ich schaffe es, diese Art von Arbeit noch viel öfter an den Kunden bringen zu können.

Adrenalin auch deshalb, weil ich bis gestern,juchuu, gezittert habe, wann ich endlich meine Umsatzsteuer-Nummer vom Finanzamt bekomme. Diese ist für das Schreiben von Rechnungen nötig. Nach einem persönlichen Besuch im Haus der riesigen Papierberge zwischen denen Menschen sitzen war dann schnell geklärt, dass die Damen dachten, ich würde mich rein aufs psychologische Fach verlegen… aber warum schreibt der dann die ganze Zeit etwas von IT-Beratung?!

Gestaltbare Zeit

Ich hatte ein wenig naiv erwartet, dass das Coaching verdichtet in kurzen Zeitabschnitten erfolgen würde. Tut es nicht. Wird es vermutlich in den seltensten Fällen tun. Es wird eher über längere Zeitabschnitte gehen und die einzelnen Personen werden immer einige Tage zwischen den Sessions brauchen, um zu verarbeiten und ihrem Tagesgeschäft nachzugehen. Entsprechend ist mein Preismodell völlig richtig, da es auch für diese Variante mein Überleben sichert. Der positive Aspekt: ein Wunsch geht in Erfüllung, nämlich der nach mehr gestaltbarer Zeit.

Software

Bevor ich irgendwo zeitlich mehr investiere, möchte ich mir viele Projekte zu Gemüte führen, mir viele Codebases ansehen, viel herumspielen und ein paar Prototypen bauen. Ergebnisse bislang?

Java for Android

Macht Spaß. Jetzt muss ich das nur noch in Scala hinbekommen – und im normalen Intellij, statt noch ne Android-Spezialversion rumzuschleppen. Und ich muss die Mini-App „Discussion Analyser“ noch bei meinem allmännITta-GitHub hochladen.

Java FX8 und Scala FX8

Kurz bin ich wieder in die Versuchung gekommen, mein geheimes Allzeit-Lieblingsprojekt BorIS (siehe Abschnitt „Ein paar Ideenschnipsel von mir“), weiterzutreiben. Oben erwähnte Frau Grimes war dran schuld. Alls ich dann allerdings anfing zu recherchieren, ob man z.B. mit JavaFX8 bereits Graphen gut darstellen kann, oder gar mit dem Wrapper Scala FX8, kam die kleine Enttäuschung: man müsste die meisten Grundlagen dafür selber schaffen, inclusive sich drehender Pfeilspitzen. Aber für GUIs und 3D scheint JavaFX8 ganz cool zu sein. Brauch ich nur grad nicht.

PlantUML

Bin zwecks schnellen inhaltlich fokussierten Diagramm-Entwurfs nach wie vor begeistert. Hab jetzt aber auch mal in die Code-Basis reingeschaut und die hat mich eher ernüchtert: eine riesige Main-Spaghetti-Klasse mit tausenden relativ ungeordneten wild nebeneinander liegenden Klassen und Packages, dazu noch die Abhängigkeit zum externen Tool „GraphViz“. Ich wende es lieber weiterhin nur an, statt zwecks eigener UseCases mitzubasteln.

Django

Licht am Horizont! Bislang galt die Regel, dass ich für Spaß und Geldverdienen begeistert in der industriellen Java- oder der noch exotischeren Scala-Ecke herumzutollen kann. Wenn ich aber im Bereich der Freien Software unterwegs sein will, so dachte ich bisher, dann käme ich ums ungeliebte PHP einfach nicht herum. Zu groß sind die „Verkaufsschlager“ wie WordPress oder Drupal.

Umso erleichterter bin ich, seit ich mir Django angeschaut habe. Einerseits dahingehend, dass ich gemerkt habe, wie ähnlich sich doch das seit 6 Jahren nicht mehr praktizierte Python und Scala in einiger Hinsicht sind. Andererseits schlicht deshalb, weil mir Djago als Webframework mit einigen sehr griffigen Ideen erscheint (URL-Auflösung, Datenbank-Persistenz, …). Drittens freu ich ich mich, dass ausgerechnet die Software, die mich zwecks ihrer gemeinnützigen Anwendung gerade am meisten interessiert, auf Django aufbaut:

Adhocracy

Mit Adhocracy ermöglichen Organisationen und Firmen eingebundenen Personen die Partizipation an Entscheidungsfindungsprozessen mittels eines Online-Diskurses. Es kombiniert also die gemeinsame Erstellung von Schriftstücken, sowie Abstimmungen darüber – entweder direkt oder dadurch, dass ich meine Stimme jemand anderem deligiere (abschaltbares Feature). Das klingt für mich nach einer Basisfertigkeit, die eigentlich jede Gruppierung früher oder später benötigt, wenn sie nicht dauer-diskutieren oder sich hierarchisch organisieren möchte.

Django-CMS

Dass man „einfach“ noch ein paar CMS-Module dazupacken kann und schon hat man ein CMS dazu, umso besser! Klingt vielversprechend wenn man auf das gleiche CMS wie die NASA setzt.

PatternLab2 und Atomic Design

PatternLab ist so eine Idee, die mich nicht mehr loslässt, seit ich sie das erste Mal gesehen hab. Was für ein Ansatz, Design, so in Komponenten und statische Daten zu zerlegen, dass ich zur Entwicklung keinen Server brauche. Welch eine Errungenschaft, den gleichen Code in die unterschiedlichsten Controller einhängen zu können: offline zur Design-Gestaltung und zum Test von Javascript-Komponenten, online einmal in Java mit der JTwig-Implementierung und einmal in Symfony. Am besten wird es, wenn die Komponenten dann auch noch von drei Seiten angefordert werden: zum Rendern ganzer Seiten, zur Anforderung einzelner Komponenten per Ajax und drittens als serverseitiges Rendern zur Bereitstellung z.B. über Solr-Blobs.

Aber wie bei Virtua Reality Brillen auch ist erst Mal ein inkrimentelles Vorgehen nach Minimal Viable Produkt-Denke gefragt, um technische Probleme Schritt für Schritt zu lösen. Und es wird nötig sein, dass Unternehmen in Freie Software durch Mitarbeit investieren, statt nur rumzunörgeln und weiterzumachen wie bisher.

Auf meinem Windows dauert gerade das Generieren von vier Dummy-Patterns 60 Sekunden. Sicher irgend ein doofes technisches Prob, für das am Ende auch ich selbst verantwortlich bin. Unsicher macht es trotzdem.

Drupal 8 auf Symfony 3

Die Basis-Installation ist gemacht. Details folgen. Man muss ja selbst mit ungeliebten Themen in Kontakt bleiben…

Bücher

Ein Seiteneffekt meines neuen prekären Beschäftigungsmodells ist, dass ich zwar (noch) weniger schlafe, aber dafür wieder deutlich mehr lese. Dienst nach Vorschrift stumpft eben doch ab. Anbei eine kleine Auflistung meiner literarischen Ausflüge:

Fachbücher

Das Wirtschaftsbuch

Es war mir wichtig, endlich mal von vorne bis hinten einen einigermaßen vollständigen Überblick über Theorien und Akteure von Smith über Marx bis heute zu bekommen. Mission accomplished. Es hätte von mir aus gerne nüchterner und grafisch weniger ausladend sein können, aber Ökonomen halt. Marketing. Wenn man nach aktueller Kapitalismuskritik sucht, ist das Buch sicherlich nicht mein erster Vorschlag. Aber für einen eher wohlgesonnenen, leicht kritischen Überblick empfehle ich es wärmstens.

Noam Chomsky: Was für Lebewesen sind wir

Hab das Buch weggelegt, nachdem ich schon das Einleitungskapitel nicht verstanden habe. Wenn ich nur ungelesenem, insbesondere bezahltem, Papier gegenüber nicht so ein schlechtes Gewissen hätte… Immerhin war es für mich eine Erlösung, vor einigen Wochen zu lesen, dass Chomskys Theorien zur Universalgrammatik inzwischen auf der Kippe stehen. Der Kerl verfolgt mich. Er war bereits einer der Kräfte, die mich dazu bewogen hatten, meine Doktorarbeit auf Eis zu legen, nachdem mir meine Doktormutter nahegelegt hatte, ich müsse wesentlich mehr von ihm aufgreifen.

Gunter Dueck: Lean Brain Management

Ich bin jetzt in der Hälfte, aber ich weiß immer noch nicht, ob mich der Autor verkackeiert. Seine Schreibweise und Positionen legen es nahe. Muss eine Verkackeierung über hunderte Seiten gehen? Bitter, wenn man sich einen Witz nicht bis zu Ende anhört. Vor allem doof, dass ich mir nach dem tollen Interview auf heise.de gleich auch noch ein zweites Buch gekauft habe.

Constantin Schreiber: Inside Islam

Heikler Stoff, ein Minenfeld. Am schwierigsten finde ich es, diejenigen, die plump und unnachgiebig Gesinnungspositionen vertreten erst mal auszusortieren, da sie zum Diskurs vermutlich nichts Hilfreiches beitragen werden. Und ich bin sehr versucht, umso mehr wissenschaftlich bewährte Forschungsprinzipien und -methoden zu bemühen, je mehr die Emotionen hochkochen.

Aber trotz aller zeitfressenden Diskussionen: man lernt viele interessante Leute dadurch kennen.

Belletristik

Richard Matheson, „I am Legend“ (englisch)

Einfach eine großartige Geschichte, die jeder gelesen haben sollte, dem die Verfilmung noch nicht die Lust darauf verdorben hat

Richard Matheson: What dreams may come“ (englisch)

Man wälze dutzende religiöse und esoterische Bücher zum Leben nach dem Tod, bastle aus dem Gemeinsamen und Widersprüchlichen eine schlüssige Theorie und dann verfasse man auf dieser Basis einen wunderschönen fesselnden Liebesroman. Klingt bizarr, ist aber genial schön.

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