Bernd Schwabe in Hannover: Schild mit dem Bundesadler der Agentur für Arbeit am Besuchereingang Georg-Wilhelm-Straße 14 in 29223 Celle, protected by https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en

Januar: Agentur für Arbeit und Co.

Positives von der Agentur für Arbeit

Nicht nur vom „Ende des Antragsprozesses“ her gesehen, sondern sogar schon vom Anfang her muss ich überrascht zugeben: Sehr vieles ist tippi-toppi bei der Agentur für Arbeit in Berlin Mitte. Vielleicht hatte ich Glück, aber was will ich anderes sagen bei

  • kurzen Warteschlangen
  • tollen Möglichkeiten, das allermeiste online auszufüllen
  • netten Telefon-Kontakten und vor allem
  • zwei sehr freundlichen hilfsbereiten und zielführenden persönlichen Kontakten.

Kleiner Tipp, falls euch Konflikte oder andere Dinge in eurem Angestelltenverhältnis gesundheitlich an die Belastungsgrenze bringen: haltet die Reihenfolge ein!

  1. Geht mit euren körperlichen Symptomen zum Hausarzt.
  2. Der schickt euch dann weiter zum seelischen Fachmann, der euch zuhört und dann ggf. zur Schlussfolgerung kommt, dass dringend der schriftliche Rat gegeben werden muss, das Beschäftigungsverhältnis zu beenden.
  3. Wenn ihr dann kündigt und die Agentur für Arbeit aufsucht, gibt es in der zeitlichen Abfolge keine Probleme, die standardmäßige Sperrfrist bei Eigenkündigung aufzuheben.

Apropos: Die bessere Lösung, vor allem bei langer Betriebszugehörigkeit, ist das Aushandeln einer ordentlichen Abfindung. Aber drauf achten, dass die Abfindungssumme reicht, um die Sperrzeit der Agentur für Arbeit zu überwinden!

Facebook

Facebook… Am Anfang war Facebook für mich „Freunde und Katzenbilder“. Dann war es zusätzlich der Newsreader, vor allem auch mit Hinsicht auf „positive Nachrichten“. Jetzt als dritter Schritt ist es auch noch ein organisatorischer Ort der Tätigkeit für einige von mir als sehr wichtig empfundene gemeinnützig aktive Gruppen.

Kann Facebook Arbeit sein? Sicher, wenn man am Tag als „Gruppen-Türsteher“ 50 Neuzugänge auf Fake-Identität und Troll-Eigenschaften prüfen soll, dann ist das schon recht aufwändig. Wenn dazu noch die Aufgabe kommt, Diskussionen auszuwerten und aus 60 Einzelposts eine sinnvolle gegliederte Aufstellung zu erstellen, dann ist auch das sehr hilfreiche Arbeit.

Eigentlich hatte ich mir unter „gemeinnützige Gruppen“ zu aller erst lokal tätige Vereine vorgestellt. Allerdings hab ich den Eindruck, dass dieser Gedanke zumindest zum Teil auch ein bisschen „80er“ sein könnte (=> Update der SWOT-Analyse nötig!).

Erkenntnisse für die SWOT-Analyse

  • Es könnte ein zukünftiger Tätigkeitsbereich sein, Facebook-Gruppen dabei zu helfen, unabhängig von Facebook eine Organisations- und Mitglieder-Basis zu organisieren, um das System als hilfreiches Kommunikationstor und Marketing-Instrument zu nutzen, aber operativ eben nicht von Facebook abhängig zu sein. Die Frage ist ja: Würde Facebook die Gruppe heute löschen, wüsste ich dann auch nur von einem Bruchteil meiner Mitglieder, wie ich sie alternativ kontaktieren könnte?
  • Zu obiger Tätigkeit könnte als erster Schritt gehören, Gruppen direkt mit Infrastruktur zu unterstützen, die Facebook oder Google so nicht bieten bzw. auf die man zwecks Datenschutz gar nicht zugreifen möchte (Wiki, Abstimmung, Task-Koordination, …)
  • In Hinsicht auf Freie Software könnte es hilfreich sein, sich mit Facebook-Alternativen zu beschäftigen (=> Diaspora). Nicht etwa, weil es kurzfristig realistisch wäre, dass Diaspora bzgl. der Userzahl Facebook den Rang abläuft, sondern weil es ein dringender, wünschenswerter Schritt wäre, zu einem dezentralen Social Net zu kommen, bei dem der Einzelne die Hoheit über seine Daten hat und entscheiden kann, wer mit ihm Geld verdienen soll und wer nicht.
  • Wehmutstropfen für alle Facebook-Aktivitäten: bei (zumindest nicht auf Vereine zurückgehenden) Facebook-Gruppen wird es äußerst schwierig, Einnahmen zu generieren.

Apropos, natürlich sollte ich noch erwähnen, bei welchen Gruppen ich aktiv bin:

Freundlich sein zur AfD

„Freundlich sein zur AfD“ ist eine Gruppe von Leuten, die bundesweit auf allerlei Facebook-Seiten der AfD und ähnlicher Gruppen „mitzudiskutiert“. Ziel ist es, dabei möglichst konstruktiv und freundlich zu bleiben.
Zwar mag vielleicht der hartgesottene AfD-Kern nicht umzustimmen sein. Aber immerhin platziert man durch die Diskussion alternative Argumente und Links auf den Seiten. Und die könnten ggf. Mitläufer ins Nachdenken bringen und umstimmen.

Ahmad Pouya ist willkommen

Ahmad Pouya ist willkommen“ ist eine Seite, die aus der Fan-Gruppe zur satirischen ZDF-Sendung „Die Anstalt“ entstanden ist. Ihr erklärtes Ziel ist es, medial möglichst so viel Wind aufzuwirbeln, dass der afghanische Zahnarzt, Künstler und de facto IG-Metall-Mitarbeiter Ahmad Pouya seine „freiwillige Ausreise“ möglichst schnell wieder rückgängig machen darf.
Sein Schicksal steht aber stellvertretend für viele, die aus wahltaktischen Gründen im Auftrag von „durchgreifenden Innenministern“ von „starken Landesfürsten“ in eine lebensgefährlich unsichere Heimat abgeschoben werden, wo sie oft nur noch wenige soziale Kontakte haben, obwohl sie hier bestens integriert waren, Steuern zahlten und eine vielversprechende Karriere bei ihren Arbeitgebern vor sich hatten.

Sag mir nicht was du kannst, sondern sag mir, welche Module du anbietest

Bezüglich des Leistungskatalogs für allmännITta ist es relativ mühsam, sich individuell auszudenken, was man im ganz konkreten Fall wann anbieten könnte und wie viel man dafür am besten verlangen könnte.

Entsprechend hilfreich fand ich es, mir zunächst alles in einfache Module oder Pakete heruntergebrochen vorzustellen. Die Frage ist die gleiche wie bei User Stories: Was sind kleinste Inkremente, die dem Kunden bereits einen spürbaren Fortschritt bringen?

Bin glücklich, dass sich schon nach kurzer Zeit ein ansehnlicher Katalog zusammengesammelt hat. Auf Ebene der einzelnen Module ist es dann auch viel einfacher, Abhängigkeiten zu vorherigen und Nachfolgenden zu entdecken. Zudem ist es leichter, vor allem innerhalb des Moduls dann das nötige Zeitpensum für verschiedene Bereiche abzuschätzen. Für Angebote lassen sich die geschätzten Zeiten dann leicht in konkrete zeitliche Angebote übertragen.

Angenehmer Nebeneffekt: Das erste Angebot samt Zeitplan ist raus. Mit etwas Glück kann es im Februar und März so richtig losgehen!

WordPress und Co

Ich komme immer wieder zum Ergebnis, welcher riesige Fortschritt es ist, dass es eine so riesige Community rund um Free Software CMS-Systeme gibt. Viele der Produkte sind unheimlich ausgereift. Es gibt keine Probleme mit der Datenhaltung oder mit Modul-Inkompatibilitäten. Kein Zurückrollen nach Updates nötig. Firmen wie 1&1 rollen die Grundstruktur auf Knopfdruck für einen geringen Preis aus und 5 Minuten später schon kann man mit der konkreten Arbeit anfangen, ohne sich lange mit technischen Problemen auseinandersetzen zu müssen.

An dieser Stelle ergibt sich für mich dann wieder eine Krux an unserer Art des Wirtschaftens. Mag sein, dass das fachliche Unternehmensziel beispielsweise „Menschen eine Übernachtungsmöglichkeit geben“ ist. Gäbe es nur dieses Ziel und kein anderes, dann wäre es selbstverständlich, dass alle möglichen Unternehmen, Bed&Breakfast-Privatpersonen, etc. gemeinsam an einer Freien Software-Lösung bauten, um ihr gemeinsames Ziel besser umsetzen zu können. Ist doch egal, dass der andere auch davon profitiert. Es hilft uns ja allen dabei, das Ziel besser zu erreichen.
Dadurch dass aber das finanzielle Ziel immer implizit an der ersten Stelle steht, ist der Gedanke viel zu nah: „Wenn ich jetzt Mühe in dieses System gesteckt hab, dann wäre das doch blöd, wenn der andere kostenlos davon profitiert. Lass uns mal ein hunderseitiges Vertragswerk aufsetzen… oder warte… wir behalten das System einfach für uns.“

Ich kann jetzt endlich ein Buch halten… oder auch zwei

Noch im Dezember hätte ich „einseitige Erfolge“ für ein seltsames Konzept gehalten. Warum einseitig? Und der soll einen Erfolg gehabt haben? Der hat doch grad Geld verloren! Im Dezember hätte ich mich auch noch wahnsinnig gefreut, wenn es in meiner Kassenbilanz wenige Einträge im Soll und sehr viele im Haben gegeben hätte, selbst wenn ich dann sehr schnell pleite gewesen wäre.

Nun hat sich das nach Lektüre eines etwas betagten einschlägigen Lehrwerkes geändert und ich bin sehr gespannt, wie viele der Begrifflichkeiten ich in meiner Steuer-Software wiederfinden und diesmal verstehen werde. Ich bereite mich lieber schon mal auf viel „Bahnhof“ vor – trotzdem. Immerhin kann ich heute auf das im Büchlein viel zitierte „Postscheck-Konto“ inzwischen verzichten. 🙂

Civilization VI

Ich hab es getan. Ich hab trotz ein wenig schlechten Gewissens eine fast 15 Jahre währende Tradition fortgesetzt und mir das neue Welt-Strategie-Spiel gekauft. Nach zwei durchgearbeiteten Wochenenden war das auch dringend nötig. Und die Erholungsstrategie ist aufgegangen. 🙂

Was ist neu? – Vieles lästige Manuelle wurde erfreulich automatisiert – Es bleibt nach wie vor sehr komplex. Aber darin liegt der Spaß. – Auch noch nach 15 Jahren habe ich wieder die Sonne untergehen und wieder aufgehen sehen (bzw. hätte… wäre es Sommer gewesen). Es gibt Dinge, die sich glücklicher Weise nicht geändert haben. Zum Beispiel mit rot geäderten Augen gähnend zu sagen:“Eine Runde muss noch… das Weltwunder ‚Broadway‘ will ich noch fertigbauen und sehen!“

Das Gute am Rande: Es gibt eine schöne Applikation namens „Poweroff„, mit der man Windows per GUI unkompliziert sagen kann, dass es z.B. in 7200 Sekunden den User ohne Frage einfach abmelden und dabei alle Programme (inclusive Civilization VI) beenden soll. Ist sehr hilfreich. Sonst wäre dieser Text heute nicht online.

Januar Fazit

Zwar ist noch kein einziger Cent auf dem Konto. Deshalb sind eigentlich jegliche Fazits grober Unfug. Dennoch fühlt sich die neue Freiheit genau richtig an. Es ist toll, bei Bedarf guten Gewissens die produktive Nacht zum Arbeiten nutzen zu können. Die, die mich kennen, wissen, dass ich auch wirklich Nacht meine wenn ich „Nacht“ sage. 🙂

Es fühlt sich gut an, den Eindruck zu haben, dass man 5 vernünftigen Tätigkeiten nachgeht. Man lernt bei allen fünf interessante Leute kennen und die Lernkurve in den verschiedensten Dingen ist steil. Geld wirft aber halt leider nur eine dieser Beschäftigungen ab.

Umso mehr verfestigt sich das Gefühl, dass es grober Unfug ist, sinnvolle Arbeit mit Geldverdienen gleichzusetzen. Sinnvolle Arbeit ist viel mehr als das. Möge das ein Bedingungsloses Grundeinkommen bald zu beweisen helfen.

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